In der Presse oder in Buchveröffentlichungen findet man vielfältige Begriffe:
Tai Chi – TaiChi – Taiji – Tai Ji
Thai –
Chuan – Quan – Taijiquan – Tai Chi Chuan - T'ai-chi-ch'üan - T’ai-Chi-Ch’uan
Was ist denn nun richtig? Warum herrscht hier ein solches Durcheinander?
太極拳 (chin.) bzw. 太极拳 (IPA hochchin.) ist ein chinesischer gesprochener Begriff. Chinesische Begriffe werden entsprechend ihrer Lautgebung ins Deutsche übersetzt (dies ist ähnlich, wie wenn Sie den Kölner Dialekt in einer Schriftsprache niederschreiben wollen).
Herr Thomas Wade und Herbert Giles haben in der Mitte des 19. Jahrhundert eine Systematik entwickelt, mit der man die chinesische Sprache einheitlich in eine romanische Sprache überführen kann. Es wurde in allen Publikationen bis 1979 angewendet. Damals entstand das Wort "Tai Chi".
1958 entwickelte die chinesische Regierung das Pinyin-System. Dieses Pinyin-System wurde 1982 als Standard eingeführt. Es wird nun in Publikationen verwendet und die chinesischen Schriftzeichen im Computer basieren auch auf dieser Vereinheitlichung. Nun wurde das Wort "Taiji" verwendet. Zumindestens sollte man dies verwenden.
In der deutschen Presse hat sich alledings das Wort "Tai Chi" eingebürgert und hat einen sehr hohen Wiedererkennungswert.
Somit sind folgende Schreibweisen „richtig“: Taijiquan (simplified Chinese: 太极拳; traditional Chinese: 太極拳) , pinyin: tàijíquán sowie Wade–Giles: t'ai chi ch'üan – je nachdem man welches Übersetzungssystem man anwendet. [Einen schönen Artikel über die Schreibweise im englischen Sprachgebrauch fand ich auf dieser Webseite: Jerusalem Tai Chi
Die Schreibweise „Thai“ ist in diesem Zusammenhang völlig verkehrt. Auch die Verwechselung von Qi und Chi ist oft zu sehen. Qi wird nur in Zusammenhang mit Qigong (Energiearbeit) benutzt. Das Chi in "Tai Chi" hat eine ganz andere Bedeutung!
Wann entstand der Begriff "Tai Chi = Taiji" in China?
Der Name „Taijiquan“ für die Kampfkunst ist vermutlich zwischen 1853 und 1880 unter den Anhängern des Wu/Hao-Stils entstanden und wird seit Anfang des 20. Jahrhunderts in allen Stilen verwendet. Davor gabe es eine Vielzahl anderer Bezeichnungen für diese Kampfkunst. In dieser Zeit wurde Tai Chi Chuan = Taijiquan auch erstmalig öffentlich für jedermann unterrichtet.
Im Westen hat sich im Laufe der Zeit eine verkürzte Form durch gesetzt. Man ließ den letzten Teil des Worte „Quan“ bzw. „ch'üan“ (chin. 拳) einfach weg. Das Wort bedeutet "Faust" und soll damit ausdrücken, daß es sich um eine Kampfkunst ohne Gerät (Schwert, Fächer, Stock …). handelt.
Heute wird Tai Chi = Taiji in Deutschland oft nur noch als Sport, Meditation oder als Gesundheitsübungssystem betrieben. Einen großen Anteil daran haben auch die Krankenkassen, die Tai Chi = Taiji als „für jedermann leicht zu erlernend“, „erzielt große Entspannung“, „ist nicht anstrengend“ etc. anpreisen. In anderen Ländern ist dies etwas anders gelagert.
Tai Chi = Taiji ist ein Übungsweg, dessen Ziel es ist, den Körper in einen Zustand zu versetzten, der mit einer größtmöglichen angepaßten (Ent-)Spannung zu leben und zu arbeiten. In einem anderen System, welches von Gerda Alexander (1908-1994) entwickelt wurde, heißt dies auch Eu-Tonie. Allerdings hat die Eutonie etwas anders gelagert Ziele: „Die Eutonie verfolgt nach Selbstdarstellung primär das Ziel, den Menschen über einen Lernprozess für einen achtsamen Umgang mit dem eigenen Körper zu sensibilisieren“.
Ziel des Tai Chi = Taiji war es vormals sich einer Kampftechnik zu widmen. Heute zählen vermehrt gesundheitliche Aspekte (Entspannung, Prävention ...) und Qi-Arbeit innerhalb der Tai Chi = Taiji Übungen zu den Hauptaspekten, warum man Tai Chi = Taiji praktiziert.
Es ist ein Streit in Deutschland unter den Praktizierenden des Tai Chi = Taiji entfacht, was das „Richtige“ Tai Chi = Taiji ist: nur das kämpferische Tai Chi = Taiji ist das Richtige - So meinen die einen! Und deswegen muß man das Wort Quan bzw. Chuan unbedingt mit benutzen.
Daneben gibt es noch diverse Streitigkeiten über die „Echtheit des Tai Chi = Taiji“. Dies wiederum geht auf die Überlieferung des Tai Chi = Taiji zurück. Es wurde vom Meister auf den Schüler übergeben, der es dann wiederum an Schüler weitergeben haben.... Somit haben sich vielfältige Variationen der Bewegungen entwickelt. Auch gibt es keinen „einen“ Meister, der das Tai Chi = Taiji entwickelt hat. Es hat viele Ursprünge und Einflußbereiche gegeben.
Heute zählt man fünf große Tai Chi = Taiji Stile:
1) Chen-Stil
2) Yang-Stil
3) Wu/Hao-Stil
4) Wu-Stil
5) Sun-Stil
Der Yangstil hat die weltweit größte Verbreitung. Dies besagt aber nichts über die Qualität der anderen Stile aus!
Samstag, 7. Mai 2011
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